Beitrag & Kommentar von Assistentin Hannah

Der Wunsch der Gruppe stellte für mich als Assistentin eine große Herausforderung dar, denn obwohl ich mich theoretisch sehr fürs Hacken interessiere, habe ich vom Programmieren und Videospielen keinerlei Ahnung. Die Expertise der Programmdirektoren war demnach zentral, um ihren Wunsch auf die Bühne zu bringen. 

Um echte Hacker*innen zu treffen und unsere Recherchen voranzutreiben haben wir den Chaos Computer Club in Altona besucht. Dort haben Hacker uns einen kleinen Vortrag gehalten und mit einem ‚Capture the Flag‘ Spiel ins Hacken eingeführt und unsere unzähligen Fragen beantwortet.

Die Vorstellung der Programmdirektoren, man könne durch Hacken schnell an Geld herankommen, wurde jedoch enttäuscht. Der Chaos Computer Club hat eine strenge Hackerethik – Hacken darf nur benutzt werden, um für viele Gutes zu tun, und nicht um sich selbst zu bereichern. Herausgefunden haben wir jedoch bei unserem Interview, dass die Hacker, welche meist als Programmierer arbeiten – in ihren regulären Job extrem gut bezahlt werden, das hat die Programmdirektoren sehr interessiert und es hat sie ermutigt, dass die Hacker als Kinder und Jugendliche auch Computerspiele gespielt haben.

Nach unserer Exkursion haben wir uns gefragt, wie man Hacken und Computerspielen auf die Bühne des FUNDUS THEATERs bringen kann?

Schnell stellte sich heraus, dass nur eines der Lieblingsspiele der Programmdirektoren für die Bühne im Kindertheater infrage kommt: Minecraft. Alle anderen Spiele sind laut FSK für diese Altersklasse nicht erlaubt.

Minecraft hat auch noch viele anderen Vorteile: Es eines der erfolgreichsten Spiele überhaupt und wurde schon über 120 Millionen mal verkauft. Es wird in Coding Schulen genutzt um die Grundlagen des Programmierens zu vermitteln und manche Lehrer verwenden Minecraft auch für ihren Unterricht. Bei unserer Recherche haben die Programmdirektoren Vincent und Methan mir vom ‚Let´s Play‘ Format erzählt:

„Ein ‚Let`s Play‘ ist ein Video-Format. Ein Gamer spielt ein Computerspiel, nimmt das auf, was er spielt und kommentiert das dann auch während des Spiels. Man sieht also, was er spielt und hört seine Stimme. Dann wird dieses Video auf Plattformen wie z.B YouTube hochgeladen.  Es gibt mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland, die gerne und regelmäßig ‚Let`s Play‘ anschauen. Der erste bekannte, große ‚Let`s Player‘, der wirklich populär wurde, war Gronkh, und bekannt wurde er mit Minecraft“.

Die berühmtesten ‚Let´s Player*innen‘ sind Stars und können mit Videospielen ihr Geld verdienen. Kein Wunder, dass viele Schüler*innen gerne Gamer werden wollen. Dieser Berufswunsch ist mittlerweile ähnlich beliebt wie der Wunsch Fussballer*in zu werden. Es gibt sogar ‚Let`s Play Live‘, da spielen 4 oder 5 Gamer*innen in einem Stadion, und das ganze Stadion ist voll mit Menschen, die ihnen zuschauen.

‚Lets´ Play‘ Videos erreichen sehr viel mehr Personen, als Menschen je unser Theater besuchen würden. ‚Lets´ Play‘ Videos sind also ein Showbusiness Format, das kulturwissenschaftlich als auch ökonomisch sehr interessant ist.

Gemeinsam mit dem 16-jährigen Minecraft Experten Leonardo wurde demnach ein ‚Let´s Play‘ konzipiert, in dem man eine Minecraft Welt und darin das FUNDUS THEATER erkunden kann.

Dieses ‚Let´s Play‘ haben wir dann auf der großen Leinwand im Theater gezeigt und einen Vortrag von einem Hacker gehört.

Das FUNDUS THEATER gibt es nun nachgebaut in Minecraft und zwar in einer Mittelalterversion. Es wurde in einer speziellen Mittelalter Mod (conquest reforge) gebaut.   

Man wird sich unsere Minecraft Welt mit dem FUNDUS THEATER auch runterladen können. Die Programmdirektoren wollten dies auf jeden Fall machen. Für uns ist es eine schöne Vorstellung, dass unser Theater auch in dieser Parallelwelt existiert.

Somit hätten wir nicht nur das Videospiel ins Theater gebracht, sondern das Theater auch ins Videospiel. Vielleicht ist das gute Werbung für uns? Vielleicht kommen dann auch mehr Leute zu uns ins Theater.  Zumindest ist es ein weiterer Schritt Theater und digitale Welten zu vernetzen und miteinander in Beziehung zu bringen.

Rechnungswesen

Bericht vom Rechnungswesen:

Ausgaben:
215 € Lizenzen,
400 € World Building,
250 € Vortrag,
8 € Maske.

Armin Chodzinski

Ich bin selber Vater und gucke selber gerne mit meinem Kind ‚Let‘s Plays‘, weil es eigentlich so etwas ist wie eine Oper: Beim ‚Let‘s Play‘ ist es ganz wichtig, dass man sein ganzes Handeln und seine Emotionen versprachlicht.

Zum Hacken und Cheaten: ‚Let‘s Plays‘ führen gerade dazu, dass Cheaten unglaublich uncool ist, denn bei einem ‚Let’s Play‘ wird gezeigt, was man macht und jeder, der cheatet, ist eigentlich sofort draußen. Irgendwie ist das ein schönes Sinnbild zum Thema Geld: Durch Aufmerksamkeit und Transparenz werden ethische Standards aufgezeigt, also: wie man sich verhalten sollte und dass Cheaten blöd ist. Wenn man diese Form der Erzählung und der Transparenz hinsichtlich des Umganges mit Geld hinbekäme - und das Betrügen als Problem -, so wäre dies ein sehr großartiges Modell, wie eine Gesellschaft oder Menschen gemeinsam verhandeln können, wie sie sich verhalten wollen.