Beitrag & Kommentar von Assistentin Hannah

Die Programmdirektor*innen dieser Gruppe hatten ganz spezifische Vorstellungen, was auf der Bühne passieren sollte:
Chemietricks, Lichteffekte, Laserstrahlen, Nebel und spektakuläre Effekte.
Es sollten unwahrscheinliche Sachen passieren, wie z. B., dass man Maizena (Maisstärke) so anmischt, dass man darauf gehen kann.
Der Wunsch nach Effekten auf der Bühne, war auch ein Wunsch nach Schönheit, Zauberei, Staunen und überrascht werden.

Abgesehen von der reinen Schönheit der Effekte, begründeten die Programmdirektor*innen ihre Entscheidung auch damit, dass die Drittklässler*innen, für die sie die Show machen, nächstes Jahr Nawi (Naturwissenschaften) bekommen würden und mit so einer Show bestens auf den neuen Unterricht vorbereitet wären.

Diese Vorschläge waren für das Forschungstheaterteam sehr erfreulich und überraschend. Ihre Entscheidung passt perfekt zum Programm des Forschungstheaters, das genau solche Experimente zeigt (z.B. in unseren Stücken „MEHR LICHT!“ und „LIQUIDs“).

In der Gruppe gab es auch Expert*innen, die entsprechenden Effekte spontan hervorragend erklären konnten:

Doch wie bringen Programmdirektor*innen solche Effekte auf die Bühne? Wie bucht man Effekte? Wie verhandelt man dafür ein Honorar? Und wie bekommt man die Show auf die Bühne, die man haben will?
Um diese Fragen beantworten zu können, erhielten die Schüler eine Mini-Ausbildung zu Programmdirektor*innen von Gundula Hölty, die für den Spielplan des FUNDUS THEATERs mitverantwortlich ist.

Zunächst mussten die entsprechenden Künstler*innen angefragt werden. Also schrieben die Programmdirektor*innen Briefe an zwei Laserkünstler und einen Chemiekünstler.

Der Experimentalkünstler Herr Hecker hat sich sofort gemeldet und gesagt, dass er noch nie so schön eingeladen wurde.
Aufgrund der räumlichen Distanz (Herr Hecker wohnt in Hagen) wurde die weitere Planung mithilfe von Skype durchgeführt.
In dem Skype-Interview zeigte Herr Hecker den jungen Programmdirektor*innen all die Chemietricks, die er auf einer Bühne machen kann. In der anschließenden Sitzung einigten sich die Programmdirektor*innen auf eine Dramaturgie für den Showbiz-Auftritt.

Die Aufführung von Herrn Hecker wurde vom Publikum jubelnd honoriert und die Erwartungen der Programmdirektor*innen sind übertroffen worden.

Herr Hecker wiederum war ebenso beeindruckt von den jungen Programmdirektor*innen, wie diese von ihm. Und er hätte, so hat er im Nachhinein berichtet, auch umsonst mitgemacht, weil er die Einladung so speziell und toll fand. Doch den Programmdirektor*innen war es wichtig, dass ein Künstler für seinen Auftritt auch bezahlt wird.
Nach vielen unterzeichneten Autogrammkarten verabschiedete sich Herr Hecker und reiste zu seinem nächsten Auftritt.

Rechnungswesen

Budget:
1000 €
Ausgaben:
798 € insgesamt
600 € Honorar J. Hecker
71 € Transport- und Reisekosten
50 € Trockeneis-Experiment

Unerwartete Ausgaben:
77 € Fahrtkosten der jungen Programmdirektor*innen
Fahrtkosten der Schüler werden normalerweise von den Eltern bzw. dem Schulverein gezahlt.

Unerwarteter Geldfluss:
100 € Honorarverzicht nachträglich von Herrn Hecker als Spende an einen Verein, der Theaterbesuchs- und Fahrtkosten für die Schulklassen bezuschusst bzw. übernimmt.
202 € Restbudget spenden die Programmdirektor*innen ebenfalls an den Verein.

Armin Chodzinski

Ich fand es sehr besonders, wie sich das Projekt entwickelt hat.
Am Anfang sind Wünsche gewesen wie: Wir wollen Magie, wir wollen das es cool ist, wir wollen, dass es schön ist. Eigentlich alles Begriffe, die an etwas angebunden sind, was Kunst ist, etwas ohne Zweck, etwas was zum Erfreuen ist, zum Berühren.

Und am Ende ist etwas dabei herausgekommen wie ein Modellversuch für die Frage: Wie könnte Chemieunterricht richtig gut sein? Es ist ein Zweck hereingekommen: Es ist Forschungstheater daraus geworden.

Das ist sehr interessant bei diesem Showbusiness, dass man mit Bedürfnissen losgeht, und dann kommen neue Zusammenhänge dazu, und es werden andere Fragen gestellt, und am Ende kommt Theater in seiner Vollendung heraus, nämlich als Bildungsanstalt und nicht nur als schöner Ort.