Beitrag & Kommentar von Assistentin Sibylle

Die Kinder, die sich dafür entschieden hatten, das Produktionsbudget für Shopping auszugeben, haben eine mutige Entscheidung getroffen. Denn die Entscheidung lag auf direktem Konfrontationskurs: Es war klar, dass dieses Budget nicht dafür bestimmt war, sich etwas zu kaufen. Das Budget sollte eigentlich für die Produktion einer Szene verwendet werden.

Dennoch sind sie einem Wunsch gefolgt, den sicherlich viele Kinder haben: Ohne Eltern Klamotten kaufen gehen!

Und sie hatten auch recherchiert, wo wir das am besten machen – nämlich nicht bei H&M, weil:

In Sachen Kinder und Ökonomie machten wir dann im Geschäft gleich eine interessante Beobachtung. Obwohl der Laden weitgehend leer war, und die zehn Kinder sich benahmen, wie man sich das von den Kunden doch wünscht, nämlich die Ware vorsichtig bestaunend und vom Kauferlebnis begeistert, näherte sich uns doch alsbald die Geschäftsleitung. Sie forderte, man möge einen solchen Besuch vorher ankündigen und von der Ware dürften keine Handyfotos gemacht werden etc. Das Ausmaß, in dem Kinder von der ganz normalen Öffentlichkeit ausgeschlossen und als Sonderfall stigmatisiert werden, überrascht mich immer wieder.

Beim Einkaufen kam wieder die Frage auf, die für uns am Beginn des Projektes gestanden hatte: Etwas für andere ausgeben, wie macht man das?

 

Ja, es war schwer. Schwer bis zum Schluss.

Schwerer als mit den Klamotten war es vielleicht noch mit den Glubschis, die der andere Teil der Gruppe gekauft hatte. Wenn Ihr mich fragt, die schauen einen schon so an, als ob sie ihm gehören wollen und wenn das nicht geht, dann glaube ich, fangen sie an auszulaufen oder so und müssen sterben.

Was die Showbiz–Forschung betrifft: Bei „Shop Until You Drop!“ wurden zwei Formate eingesetzt, die es so auf unserer Bühne bisher nicht gab. Wir haben mit einem ganz neuen Format, das es nur im Internet gibt, nämlich Thriftshop-Challenge und einem ganz alten, nämlich der Losbude: „Gewinne, Gewinne, Gewinne!“ gearbeitet. Beides hat Spaß gemacht, nur nicht denen, auf deren Los stand: Leider verloren.

Obwohl … überraschenderweise denen auch. Denn als wir nach der Show noch einmal alle zusammen kamen, da fanden die Zuschauerkinder die Show und explizit die Losbude toll. Alle Kinder waren der Meinung, dass die 3000 Euro gut angelegt waren.

Und mehr noch: „Da sieht man doch endlich mal, was 3000 Euro genau wert sind.“

Dass das Ziel des Ganzen sein könnte, mal zu sehen, was das Geld eigentlich wert ist, damit hatte ich nicht gerechnet. Einfach und genial.

Rechnungswesen

Budget:
750 €
Ausgaben:
560 € für Einkäufe (40€ pro Kind),
190 € für Videobearbeitung

Armin Chodzinski

Das Showgeschäft ist einzigartig. Denn wenn man Business als Geschäft übersetzt, dann muss man natürlich auch Show übersetzen: Und das heißt auf Deutsch Zeigen. Also ein Geschäft, in dem man nur etwas zeigt, ist ja komplett etwas anderes als Geschäfte in denen man etwas verkauft, sprich will, dass Leute ihr Geld da lassen und möglichst schnell wieder abhauen.

Im Showgeschäft zeigt man etwas und das ist kompliziert. Man muss wissen, was man zeigt, warum man es zeigt und wem man es zeigt, und ob es diejenigen, denen man es zeigt überhaupt interessiert. Außerdem gilt es ja dann noch eine Form, einen Ort und einen Zeitpunkt zu finden um das zu tun. Ich glaube schon, dass Showbiz, also das Showbusiness eins der komplexesten Geschäfte ist, die es überhaupt gibt.