Beitrag & Kommentar von Assistentin Sibylle

Zucker und Showbusiness gehören zusammen wie Popcorn und Kino.
Es ist, als würde der Zucker im Popcorn zugleich die Gefühle, die uns von der Leinwand entgegenkommen, verstärken und uns versichern, dass all dies keine Gefahr für uns ist. Schon als die Menschen noch in Höhlen lebten, soll der süße Geschmack ein Signal für „dies ist ungefährlich“ gewesen sein.
So hat es mich nicht gewundert, dass sich eine Mehrheit der Programmdirektor*innen dafür entschieden hat, einen großen Teil des Projektbudgets für Süßigkeiten zu verwenden und im Theater, so der Arbeitstitel, eine „Fressparty“ zu veranstalten. Ein anderer Vorschlag hatte gelautet, sich mit neuesten Erkenntnissen der Kariesforschung zu beschäftigen, die dem Vernehmen nach bald das Zähneputzen überflüssig machen könnten. Ich schlug vor, beide Ideen zu kombinieren, und eine Kariesforscherin einzuladen, die uns während des Zuckeressens einen Vortrag über die Abschaffung des Zähnebürstens halten könnte, oder vielleicht jemanden, der uns etwas über die Kulturgeschichte des Zuckers erzählen könnte. Doch die Programmdirektion schmetterte diese Vorschläge ab. Begründung (von Anne): „Kinder müssen so oft Erwachsenen beim Reden und Erklären zusehen und dabei so tun, als würden sie zuhören. Hier können wir entscheiden, hier wollen wir das nicht.“
Stattdessen wurden eine Popcorn- und eine Zuckerwattemaschine an den Start gebracht.
Aber nur Süßigkeiten essen – ist das Showbiz, ist das Theater, ist das Forschungstheater? Und werden Leute wie ich arbeitslos, wenn sich Annes Meinung durchsetzt?
Schon ziemlich eingeschüchtert machte ich den Programmdirektor*innen den Vorschlag, dass ich vielleicht etwas zur Geschichte von Zucker und Geld erzählen könnte, und zwar gratis, und auch nur so lange, wie die Programmdirektor*innen brauchen würden, um 5 Portionen Popcorn und 10 Zuckerwatten herzustellen? Tatsächlich stellte sich die Geschichte von Zucker und Geld als ziemlich spannend heraus:

Die Geschichte des Zuckers zeigt auf jeden Fall eines: Wer einmal Zucker probiert hat, will sofort mehr. Viel mehr. Warum ist das eigentlich so? Was für Gefühle sind das, die der Zucker in uns auslöst, und die wir unbedingt immer wieder haben wollen?

Um darüber mehr herauszufinden, luden die Programmdirektor*innen den Tänzer Guy Marsan zur Probe und dann auch zur Vorstellung ein. Jede*r Programmdirektor*in hatte nun die Möglichkeit, eine Süßigkeit vorzustellen. Guy aß eine nach der anderen und drückte durch seinen Tanz aus, wie der Geschmack sich im Körper für ihn anfühlte. Ein überraschendes und szenisch spannendes Experiment.
Hier eine Szene aus dem Probenprozess:

Rechnungswesen

Budget: 1000 €
Ausgaben: 870 € insgesamt
28 € Fachliteratur
115 € Süßwaren
300 € Popcorn- und Zuckerwattemaschine (Miete und Verschleiß)
350 € Honorar Tänzer (davon 50 € für die Probe)

Unerwartete Ausgaben:
77 Euro Fahrtkosten der jungen Programmdirektor*innen
Fahrtkosten der Schüler werden normalerweise von den Eltern bzw. dem Schulverein gezahlt.

130 € Restbudget spenden die Programmdirektor*innen an einen Verein, der Theaterbesuchs- und Fahrtkosten für die Schulklassen bezuschusst bzw. übernimmt.